Wie haben Sie das geschafft, Herr Prenzel?

Theodor Prenzel, 30, ist stellvertretender Leiter der NOMOS-Abteilung für Forschung und Entwicklung – und der Vater des neuen Kalibers DUW 3001. An diesem Werk haben er und seine Kollegen gut 1,5 Millionen Minuten lang gearbeitet

Mitarbeitershooting NOMOS-Glashütte, August 2015
Mitarbeitershooting NOMOS-Glashütte, August 2015

Herr Prenzel, wieso bezeichnen Sie Ihr neues Kaliber als einen „Motor der nächsten Generation“?

Theodor Prenzel: „DUW 3001 ist ein völlig neues Automatikwerk. Es erlaubt uns, NOMOS- Automatikuhren so hauchdünn zu bauen, dass sich diese von den elegant-flachen Handaufzügen unserer Marke in der Höhe so gut wie gar nicht unterscheiden. Unser neues Kaliber misst gerade mal 3,2 Millimeter, ist also deutlich flacher als fast alles, was es bislang am Markt gibt – und gleichzeitig extrem ganggenau.“

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Das müssen Sie uns etwas genauer erklären.

„Bisher galt in der Welt der feinen Uhren: je kleiner und flacher ein Kaliber, desto unge- nauer. Unser Werk jedoch ist trotz seiner geringen Höhe hochpräzise, denn wir haben bei der Konstruktion die üblichen Toleranzen halbiert. Und wir hatten ein weiteres Problem: Für ein möglichst genaues Uhrwerk braucht man auch eine möglichst große und schwere Unruh – wie aber bringt man eine große Unruh in einem solchen Werk unter?“

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Und zwar?

„Man könnte sagen: Statt Türme zu bauen, haben wir Verstecken gespielt. Fast alle Teile des Kalibers sind zwischen Werkplatte und Dreiviertelplatine montiert. Das Sperrrad musste daher um 50 Prozent flacher werden als üblich: Der Bauraum zwischen Werkplat- te und Dreiviertelplatine ist im Schnitt nämlich nur einen Millimeter hoch. Hier müssen fast alle Teile untergebracht werden, die bei anderen Kalibern zumeist als Modul aufge- baut werden. Möglich ist dies nur mit Unterstützung modernster Fertigungs- und Montagetechnologien – Handwerk und Hightech gehen bei DUW 3001 Hand in Hand. Und auch die NOMOS-Unruh mit Swing-System hat uns bei diesem Kaliber geholfen, sorgt für beste Gangeigenschaften.“

49_NOMOS_DUW3001_Unruhbruecke

Gab es noch weitere Herausforderungen bei der Konstruktion von DUW 3001?

„Ja, klar. Etwa die zwangsläufig flachere Zugfeder. Diese hat – bedingt durch das Weniger an Material – eine schwächere Zugkraft, die wir ausgleichen mussten. Dass wir jahrelang am eigenen Rädersatz geforscht haben, hat uns hier sehr geholfen: So hatten wir alle Berechnungen im Griff, konnten etwa Anordnung, Winkel und Zahl der Zähne für dieses Kaliber etwas verändern und damit den Wirkungsgrad des Laufwerks um gut 10 auf nun für den Kenner sicherlich fast unglaubliche 94,2 Prozent steigern. Dass das neue Werk so flach ist, haben wir damit mehr als ausgeglichen: DUW 3001 bringt allerbeste Leistung trotz geringer Bauhöhe.“

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Fehlt etwas, haben Sie etwas ganz weggelassen?

„In dem neuen Kaliber gibt es keinen klassischen Unruhkloben mehr. Doch dieser fehlt nicht, nein. An seinen Platz ist die NOMOS-Unruhbrücke gerückt: Diese kleine Verbindung sorgt aufs Schönste dafür, dass die Unruh stabil positioniert ist. Außerdem schafft sie zusätzlichen Platz für den Rotor, der im Automatikwerk die Feder aufzieht und schon bei kleinsten Bewegungen für Energie sorgt.“

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Klingt nach Arbeit und viel Geduld. Wie lange hat das alles gedauert?

„Gut drei Jahre brauchte unsere Abteilung, um DUW 3001 zu entwickeln. Also etwa 1,5 Millionen Minuten. Die Entwicklung des Swing-Systems davor, insgesamt sieben Jahre, muss man aber an sich auch noch dazurechnen: Die Erforschung des eigenen Assortiments, das Herz einer jeden mechanischen Uhr, war nämlich Voraussetzung für DUW 3001 – und bedeutete gut 15 Millionen Euro Investition. Jetzt freuen wir uns, dass uns dies gelungen ist. Und darauf, dass unser neues Automatikkaliber in der Serie neomatik an den Handgelenken tickt.“

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